Übersicht 17.12.2018
Byzantische Zeit

I. byzantinische Periode, 330 - 824 n. Chr.
Durch ihre beherrschende geographische Lage spielte die Insel Kreta eine wichtige Rolle im byzantinischen Reich, da dessen Mittelmeerhandel über die Route Byzanz - Kreta - Ägypten - Afrika abgewickelt wurde.
Das Christentum verbreitete sich auf der ganzen Insel von schon von Beginn dieser Periode sind in allen Teilen der Insel viele und große Kirchen erbaut worden. Anfänglich unterstand das kretische Bistum dem römischen Bischof, seit dem 8. Jahrhundert gehörte es zum Patriarchat von Konstantinopel.
Im 7. Jh. tauchen die Araber aus Nordafrika im Mittelmeer auf und bedrängen die Insel mit ihren fortgesetzten, seeräuberischen Unternehmungen. Der Beutezug, 672 - 673, hatte für die Städte Kretas verheerende Auswirkungen.

Arabische Besetzung, 824 - 961 n. Chr.
Die sarazenischen Araber, die Piraten des westlichen Mittelmeeres entschlossen sich nach einem Einfall auf Kreta im Jahre 823 unter ihrem Führer Abu Haf, die Insel zu erobern und sich auf ihr niederzulassen. 824 gingen sie an der Südküste des Kreises Vianno an Land. Die Eroberung der Insel ging unter Plündrereien und Gewalttaten vor sich, Städte und christliche Kirchen wurden zerstört. Der Versuch allerdings, die Bevölkerung zu islamisieren, blieb erfolglos; religiöses und nationales Bewusstsein waren ungebrochen. Für die Insel begann eine jahrhundertelange Knechtschaft. Viele Bewohner verließen Kreta oder zogen in die Berge.
Die Grosse Festung, an der Stelle des heutigen Iraklion gelegen, wurde mit weiteren Befestigungsanlagen verstärkt und um sie herum legte man einen tiefen Graben ('chandax') an. Unter dem Namen Chandax war die Festungssiedlung während der gesamten Zeit der arabischen Besetzung Kretas als größter Sklavenmarkt des Ostens bekannt hier häuften aus der Piraterie und dem Sklavenhandel unzählige Reichtümer an.
Der Verlust Kretas war für das byzantinische Reich ein schwerer Schlag und seine Wiedereroberung von elementarer Bedeutung. Nach vergeblichen Versuchen in den Jahren 825, 826, 828 und 902 n. Chr. landete der Feldherr Nikiphoros Phokas, der spätere Kaiser, im Jahre 960 mit einem großen Heer an der Küste Almiros bei Iraklion. Nach harten Kämpfen nahm er 961 Chandax ein, befreite die Insel und bereitete so der arabischen Herrschaft ein Ende.

II. byzantinische Periode, 961 - 1204 n. Chr.
Nach der Wiedereroberung der verwüsteten Insel versuchten die Byzantiner mit aller Kraft, die Wunden zu schließen und alle Spuren der arabischen Herrschaft auf Kreta zu beseitigen. Neue Siedler wurden aus anderen Reichsteilen hierher geholt und viele von den Soldaten des Nikiphoros Phokas ließen sich auf der Insel nieder und verstärkten so die christliche Bevölkerung. Die Kirche entfaltete vielfältige Aktivitäten, es wurden Kloster gestiftet, neue Kirchen erbaut und besonderes Gewicht auf die Predigt gelegt, durch die das sehr gesunkene Bildungsniveau des Volkes etwas angehoben werden sollte.
Im Jahre 1082 entsandte der Kaiser Alexios Komminos I. neue, vornehme Siedler nach Kreta. Ihnen wurden großer Grundbesitz und bestimmte Privilegien übertragen und ihr Anführer war der Sohn des Issakios zusammen mit 12 jungen Adligen aus den großen byzantinischen Familien Phokas, Ghavalas, Vlastos und anderen. Sie begründeten eine neue byzantinisch-kretische Aristrokatie, welche in den folgenden Perioden der venezianischen Herrschaft und der türkischen Besetzung, bei den Revolutionen, den Kämpfen des kretischen Volkes, bei allen Ereignissen an der Spitze stand.