Übersicht 18.10.2017
Neolithische Zeit

Als erste berichten uns die antiken griechischen Autoren über die Insel Kreta. Bei Homer heißt es, dass Minos, der Sohn des Zeus und der Europa, mit seinem Vater sprach, dieser ihm die Gesetze gab und sein Königtum alle neun Jahre erneuerte. Die Insel Kreta findet hier zum ersten Mal unter ihrem heutigen Namen Erwähnung. Die griechische Überlieferung spricht von einer großen Seemacht eines mächtigen Königs aus Knossos. Auch Thukydides erwähnt eine Seemacht, welche die Meere von den karischen Piraten gesäubert hat. Die athenische Überlieferung handelt von Theseus und Minotaurus, und Didor schreibt davon, dass Minos den Dädalus bis nach Sizilien verfolgte, um ihn zu bestrafen.
Das Griechische Archäologische Amt und die ausländischen archäologischen Schulen haben nach etwa hundert Jahre währenden Ausgrabungen die Entwicklung der minoischen Kultur in ihren verschiedenen Stadien studiert und erforscht. Diese erste große Kultur, die sich auf europäischem Boden herausbildete, war reich an künstlerischem Schaffen. Hier entstand, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den bereits entwickelten, blühenden Kulturen des Ostens, die ägäische Kultur.
Ihre chronologische Gliederung von der prähistorischen bis zur historischen Zeit wurde entsprechend der in den einzelnen Phasen für die Herstellung von Waffen, Werkzeugen und verschiedenen anderen Gegenständen verwendeten Materialien vorgenommen. Der Steinzeit folgte die wichtigere Bronzezeit, die vom bedeutendsten Forscher und Begründer der minoischen Archäologie, Evans, minoische Kultur genannt wurde.Mit einem auf der Entwicklung von Keramik-Stilen beruhenden chronologischen System teilte er sie in drei große Perioden ein,die ihrerseits jeweils noch in drei Phasen (I, II, III) unterteilt waren: Die Frühminoische (FM), die Mittelminoische (MM) und die Spätminoische Periode (SM). Altsteinzeit. Von einem anderen, gleichermaßen bedeutenden Forscher, dem Prof. N. Platon wurde eine andere Chronologie vorgeschlagen,deren Kriterien wichtige Ereignisse sind und zwar nach der Steinzeit insbesondere die Existenz oder Nichtexistenz der Paläste. Die Perioden heißen bei ihm Vor-Palastzeit, Ältere Palastzeit,, Jüngere Palastzeit und Nach-Palastzeit und sind auch jeweils in drei Phasen unterteilt. Diese neue Chronologie wurde von der Wissenschaft übernommen.

Altsteinzeit
Bis vor einigen Jahren stammten die frühesten, durch archäologische Forschung gesicherten Spuren menschlicher Existenz aus einer vorkeramischen Übergangsphase zum Neolithikum. Neuere wissenschaftliche Forschungen in den 60-er Jahren erbrachten aber Zeichen menschlicher Tätigkeit auf der Insel zum Vorschein, die ins Paläolithikum zu datieren sind, auf 8000 v. Chr. oder sogar noch davor.

Neolithikum, 6100 - 2700 v. Chr.
Unsere wichtigste Quelle für Erkenntnisse über diesen Zeitraum ist die Siedlung von Knossos, eine der bedeutendsten Siedlungen des östlichen Mittelmeeres und Europas. Man entdeckte sie unter dem minoischen Palast und rings um diesen. Von Beginn an waren die neolithischen Bewohner um eine dauerhafte Siedlungsweise mit einem organisierten sozialen Leben bemüht. Ihre Häuser errichteten sie aus Ziegeln, Zweigen und Lehm, sie bewohnten gleichzeitig aber auch Höhlen. Sie betrieben Landwirtschaft, Viehzucht und Fischfang, die Arbeiten waren dabei zwischen Frauen und Männern aufgeteilt. Ihre Kultur ähnelt zu Beginn in vielem den neolithischen Kulturen des Ostens und Griechenlands, fängt aber bald an, sich von diesen zu differenzieren.
Der Mensch im Neolithikum benutzt steinerne und knöcherne Waffen und Werkzeuge und stellt Tongefässe und -Statuetten her. Gegen Ende dieser Periode entwickelt sich die Siedlung in Knossos weiter; die Häuser haben jetzt kieselsteingepflasterte Höfe und nicht mehr nur einen Raum. Die Töpferkunst wird fortentwickelt und man fertigt kleine Ton- und Steinidole. Zur sozialen und religiösen Organisation der damaligen Siedlungen können wir nur fragmentarische Vermutungen anstellen. Eine Vorform der Familie muss die Grundlage dieser Gemeinwesen gebildet haben, und wenn es in ihnen Führer gab, so waren sie entweder eine Art Priester oder die Ältesten der Siedlung.
Aus der mittleren neolithischen Periode, 3800 - 3500 v. Chr. stammen die Siedlungen in Ghortyna, in Mangassa in Sitia und in Katsamba in Iraklion. Im späten Neolithikum, 3500 - 2700 v. Chr. gibt es fast auf der gesamten Insel Ansiedlungen und die Häuser sind nunmehr ständiger Wohnsitz der Menschen. Das Vorkommen von Elfenbein legt Zeugnis ab von den Verbindungen Kretas mit den Kykladen-Inseln und dem Osten.