Übersicht 16.07.2019
Archäologische Ausgrabungen Seite 1/6

Palast von Knossos
Knossos liegt 5 km südöstlich von Iraklion. Der Hügel Kephala, auf dem der Palast von Knossos erbaut ist, war schon in neolithischer Zeit, 6000 v. Chr., vielleicht auch früher, bewohnt. Gegen Ende dieser Periode 3000 v. Chr. war die Siedlung am Ausgang des baumreichen und fruchtbaren Keratos-Tals an der Mündung des Vlychias, von ansehnlicher Größe und in der Vor-Palastzeit breitete sie sich dann weiter nach Westen aus.
An den wenigen Überresten aus der Älteren Palastzeit ist zu erkennen, dass auf den Trümmern von Neolithikum und Vor-Palastzeit um einen zentralen Hof einzelne Gebäudegruppen errichtet wurden, die nur durch eine Überdachung der einzelnen Plätze miteinander zu einem Gesamtkomplex mit Nord- und Westhof verbunden waren. Dieser erste, ältere Palast erfuhr im Laufe der Älteren Palastzeit mehrere Veränderungen und wurde 1700 v. Chr. zerstört. Der Wiederaufbau des eingestürzten Palastes auf einer Fläche von 2200m² zeigt gewandelte architektonische Vorstellungen und neue Baupläne. Hauptcharakteristikum ist der zentrale, gepflasterte Hof mit Nord-Süd-Achse und den verschiedenen Gebäudeflügeln ringsum. Der Westflügel mit seinen Kulträumen ist der wichtigste. Im Ostflügel die Gemächer der königlichen Familie und in Nord- und Südbereich Lagerräume, Werkstätten und sonstige Hilfsräume.
Die vielgeschossigen Gebäude ( 3 Geschosse auf der West-, 5 auf der Ostseite) hatten prächtige Fassaden aus behauenen Steinen, Marmorplatten, vielfarbigem Wandputz, reicher Freskenmalerei, Polythyra, Fußböden aus Gipsstein, imposante Treppenanlagen, farbige Säulen und betonte Türrahmen. Glanz und Pracht dieser Anlage waren ihrer doppelten Aufgabe würdig: Wohnstatt der Gottheit und Ort ihrer Anbetung zu sein, zugleich aber auch Sitz der politischen Macht von Königsfamilie und Priesterschaft.
Der Palast ist 1450 v. Chr. beim gewaltigen Vulkanausbruch von Santorin zerstört worden. Nach seinem sofortigen Wiederaufbau war er bis 1400 oder 1380 (manche Forscher sprechen auch von 1200) Sitz eines achäischen Fürsten. Die Stadt Knossos war eine der größten prähistorischen Siedlungen, wie an der Ausdehnung der sie umgebenden Grabanlagen zu erkennen ist; sie erstreckte sich bis zu den Erhebungen Prophitis Ilias und Ghypsadhes. Die Stadt mit ihrem durch die Zeiten gleichbleibenden Namen war von der Antike bis in römische Zeit eine der wichtigsten auf ganz Kreta, im Mittelalter verfällt sie und wird ein kleines Dorf namens Makrys Tichos ( Lange Mauer).
Erste Ausgrabungsarbeiten am Palast nahm 1878 in begrenztem Umfang M. Kalokärinos aus Iraklion vor. Mit systematischen Ausgrabungen begann 1900 der Engländer Sir Arthur Evans, bis 1903 war das Hauptgebäude des Palastes ausgegraben, und die Arbeiten gingen dann mit Unterbrechungen bis 1931 weiter. Verschiedene Teile der Palastanlage wurden dabei wiederaufgebaut, eine von vielen Wissenschaftlern kritisierte Maßnahme, da fremde Materialien, bes. Zement, verwendet wurden. Diese Wiedererrichtung hielt Evans für notwendig, um verschiedene anfällige Gebäudeteile zu erhalten. Wir bekommen durch die Rekonstruktionen eine eindrucksvolle Vorstellung von der damaligen Palastarchitektur.
Der heutige Zugang zum Palast führt über einen großen gepflasterten Hof (1) mit plattenbelegten Wegen. Der eine führt zum Westportal (3), der andere quer zum Schauplatz. Sie heißen Prozessionskorridore, weil hier die Prozessionen entlangführten. Im linken Teil des Hofes sind drei große, runde, ausgemauerte Vertiefungen, wahrscheinlich heilige Abfallgruben. In zweien dieser Ringe sind Überreste von Häusern aus der Vor-Palastzeit. Zwei Altäre, der eine an der Westfassade und der andere in der Nähe des Westportals, sprechen für die kultische Bestimmung des Platzes.
Von dem imposanten Portal an der Ostecke des Hofes (3) gelangen wir durch einen langen Flur (6) in den Palast. Hier fand man Fresken mit einer Prozession von Gabenträgern. Nach zweimaligem rechtwinkligen Abbiegen führte der Gang zu den großen Propyläen (22). Nach Osten hin traf er auf einen Korridor (10), der über die Südpforte Zugang zum zentralen Palasthof bot (12).
Die Haupt-Propyläen führen ins obere Geschoss des heiligen Westflügels, das sogenannte piano nobile, wo eine Reihe von viereckigen Räumen mit zwei Säulen liegt und einer mit sechsen, das 'Sechs-Säulen-Heiligtum'. Das ganze Geschoss schmückten Wandmalereien mit kultischen Motiven.