Übersicht 16.07.2019
Archäologische Ausgrabungen Seite 2/6

Einen weiteren Zugang zum Piano Nobile bietet das Treppenhaus (35) an der Westseite des Palasthofes. Südlich der Treppe sind kleine Kulträume, deren Fassaden zum Palasthof hin die Form eines dreiteiligen Heiligtums haben. Im Norden der Vorraum zum Thronsaal (30), mit Polythyron, vier Treppenstufen, niedrigen Bänken an den Wänden, in der Mitte ein Becken aus Porphyrit und ein hölzerner Thron an der Stelle, an der man verkohlte Holzstücke gefunden hat. In der Mitte seiner Nordseite der Thron aus rötlich schimmerndem Alabaster, der eine Holzkonstruktion nachahmt, an den Wänden Bänke aus Stein. Dem Thron gegenüber ein Bassin für heilige Waschungen mit Brüstung. Hinter dem Thronsaal liegt ein kleiner Raum (20), in dessen hinterem Bereich eine Nische zum Ablegen von Kultgegenständen ist.
Die westlichen Räume im Erdgeschoss waren 18 länglich-schmale Magazinräume hinter einem parallel zum Palasthof laufenden Gang. Über diesen Räumen, im Piano Nobile, liegen zwei große Hallen, die südliche hieß Große Halle, die nördliche Heilige Halle.
An der Ostseite des Zentralhofs wurde nach einer Umgestaltung des Hügelabhanges ein mehrgeschossiges Gebäude errichtet, in dem sich die königlichen Gemächer befanden. Ein großes Treppenhaus (41) mit breitem Treppenabsatz, Säulen auf abgestuften Sockeln, einem großen Lichthof und Veranden an seiner Nord- und Ostseite führte in die Räume des Königs. Die unteren Treppenstufen hat man unversehrt gefunden, die übrigen sind wiederaufgebaut worden. Die Verandawände waren mit Malereien geschmückt.
Der Wohnsitz des Königs besteht aus einer Gruppe großer Räume, in deren Mitte der 'Saal der Doppeläxte' liegt (42), ein Raum mit Polythyron, überdachtem Lichthof und Säulenstellung um den Saal herum. Weiter südlich führt ein abgeknickter Gang zu den kleineren Räumlichkeiten für die Frauen der königlichen Familie. Am wichtigsten ein luxuriöses Zimmer, das als Megaron der Königin betrachtet wird. Weiter westlich führt ein anderer Gang ins 'Boudoir der Königin' mit einer Steinbank für die Ablage von Accessoires für die Schönheitspflege und einem Wasserbassin mit Abflusssystem. Diese Räumlichkeiten waren reich mit Fresken von Delphinen, tanzenden Frauen und Mustern aus Schneckenspiralen dekoriert.
Im Nordbereich des Ostflügels lagen die königlichen Werkstätten. Schon in der Älteren Palastzeit waren die Paläste Zentren der Produktion und des Handels gewesen. Die wichtigsten Werkstatträume waren die der Steinmetzen, die Töpferwerkstatt und eine Stempelwerkstatt. Vor dem Palast fand man eine Brennofeneinrichtung zur Herstellung von Bronzegefäßen. Weiter nördlich Magazinräume (88) mit riesigen Vorratsfässern.
An der Nordseite des Palastes ein abfallender, freier Gang (70), auf dessen Westseite einer der Balkone wiederaufgebaut und mit einer Kopie des Stierkopf-Freskos geschmückt worden ist. Der Gang führte zu einem großen Raum mit acht Pfeilern, dem 'Zollhaus'; hier endete die Strasse von Amnissos und Katsambas, den beiden Häfen von Knossos. Ihm gegenüber, in seinem Westen das Nordportal des Palastes (75).
Westlich des Nordportals das Reinigungsbassin (76) und ein Raum mit Polythyron und Säulen (77). Weiter westlich eine Prozessionsstätte zum Theaterplatz (78) mit zwei rechtwinkligen aufeinanderzulaufenden Reihen von Sitzstufen. Ein Sockel in der Ecke wird für die 'königliche Loge' gehalten. Ein Prozessionsweg führte zum kleinen Palast, an wichtigen Gebäuden wie etwa dem Freskenhaus und dem Waffenlager vorbei.
Um den Palast herum gibt es zahlreiche Gebäude mit ähnlichem architektonischen Charakter, die höheren Beamten oder Mitgliedern der Priesterschaft gehört haben müssen. Im Westen der kleine Palast, im Nordosten die königliche Villa, im Südosten das Südhaus und andere Gebäude.