Übersicht 20.10.2019
Archäologische Ausgrabungen Seite 3/6

Der Palast von Phästos
Der früheste Palast wurde gegen 1900 v. Chr. errichtet, 1700 dann aber durch ein Erdbeben zerstört. Sofort begann man mit dem Wiederaufbau eines großartigen Palastkomplexes auf den Trümmern des Alten. Die meisten der heute sichtbaren Ruinen stammen von dem jüngeren Palast. Die ersten Ausgrabungen in Phästos sind 1900 von der Italienischen Archäologischen Schule durchgeführt worden, und 1909 war der ganze jüngere Palast entdeckt.
Der Ausgangspunkt für unser Palastbesichtigung ist ein erhöhter, gepflasterter Hof des alten Palastes auf der Westseite (94). Im SO, am Rand des Hofes führt eine Treppe hinunter zum gepflasterten Westhof (1), auch dieser gehört zum alten Palast. An seinem Nordende die Schautreppe, 8 Treppenstufen mit einer Breite von 22 m, die als Sitzplätze bei Theaterveranstaltungen dienten. Von hier führt ein Prozessionsweg südlich zu einem Propylon (Tor) (3), durch das wir viele kleinere Räume betreten. Der Palasteingang liegt auf der Nordostseite des Westhofs. Die prachtvolle Treppenanlage mit ihrem imposanten Propylon ist ein Meisterwerk minoischer Architektur. Es folgt ein unüberdachter Raum, ein Lichthof mit drei Säulen und Treppenabsatz, wo eine schmale Treppe (39) zu einem Vorraum (25) und Magazinräumen (27 - 28) hinunterführt. Die Räume im Süden des Durchgangs (23, 24) stellten ein Heiligtum dar; auch die übrigen Räume (8 - 11) hatten kultischen Charakter. Von dem Vorraum (25) gehen wir zum Zentralhof (40), der mit ungleichmäßigen Steinplatten ausgelegt ist. Im Nordostteil des Hofes gibt es ein Polythyron, einen offenen Lichthof und ein kultisches Bassin.
Von der Nordostseite des Zentralhofes gelangen wir über einen Durchgang (41) zu den königlichen Gemächern, die den Nordteil des Palastes einnahmen. Nach dem offenen Durchgang (41) und einem kleinen Innenhof (48) kommen wir ins luxuriöse Megaron der Königin. Eine enge Treppe führt zu den Räumen, die der König bewohnt haben muss (72 - 73).
Im NO befindet sich ein getrennter Gebäudekomplex von Hilfsräumen aus der Älteren Palastzeit, der auch noch in der Jüngeren Palastzeit genutzt wurde. In einem länglich-schmalen Magazinraum (101) entdeckte man das bedeutendste Fundstück des Palastes, den Diskus von Phästos.
Westlich von Phästos liegt in 3 km Entfernung eine weitere wichtige, archäologische Stätte, der Landsitz von Ajia Triadha. Der antike Name ist uns nicht bekannt; den heutigen verdankt er der Nachbarschaft zur zweischiffigen Kirche von Ajia Triadha aus dem 14. Jahrhundert, die auf einem Hügel im Südwesten liegt. Man hält die Anlage für die Sommerresidenz der Herrscher von Phästos, oder aber den Sitz eines Fürsten der westlichen Messara-Ebene.
Der Landsitz ist kurz nach der Errichtung des zweiten Palastes in Phästos erbaut und wurde 1450 zerstört. Der Hauptteil besteht aus zwei senkrecht aufeinanderstehenden Flügeln und einem großen Hof. Die Haupträume befanden sich am Nordende des Westflügels: Polythyron, Säulenhalle, Lichthof, ein Raum mit Bänken, ein kleines, mit Alabaster und farbigem Gestein ausgekleidetes Schlafgemach. Ganz im Norden das Archiv mit Polythyron und daneben die Wartehalle mit einem Fußboden aus Schieferplatten. Im Osten der Empfangssaal und dahinter die Schatzkammer. Der große Hof im Südteil der Anlage diente kultischen Zwecken.
Nach Norden hin fand man Trümmer einer Siedlung, von den Ausgräbern 'Dorf' genannt. Nordwestlich in 150 m Entfernung entdeckte man zwei Rundgräber aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend.
Von Phästos führt eine Strasse in westlicher Richtung nach Matala (12 km). Bei km 7 das Dorf Pitsidhia. 1,5 km nach Pitsidhia zweigt eine Schotterstrasse rechts ab, zum Hafen von Phästos, Komo. Die Küste eignet sich hier dafür, Schiffe an Land zu ziehen. Die Siedlung stand von der Jüngeren Palastzeit bis in die römische Zeit in Blüte die Ausgrabungen förderten ein Heiligtum mit Häusern ringsum zutage, das bis ins erste nachchristliche Jahrhundert unterhalten wurde. Die Bauten im Südwesten sind wahrscheinlich Magazinräume oder Hafenanlagen.
Km 12. Matala, ein kleiner Küstenort, war der zweite Hafen von Phästos und später, in römischer Zeit, von Ghortys. Die Häuser der antiken Siedlung liegen unter der heutigen Bebauung, aber Spuren davon sind noch unter Wasser zu erkennen, da in diesem Gebiet nämlich eine Bodensenkung erfolgt ist.
Am schroffen Felsen am Nordende der Küste gibt es ins Gestein gehauene Höhlen. Einige von ihnen waren in prähistorischer Zeit vielleicht bewohnt, aber in griechischer, römischer und frühchristlicher Zeit dienten sie als Gräber.