Übersicht 20.10.2019
Minoische Kultur

Bronzezeit - Vor - Palastzeit
Etwa aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr., aus der Periode der Bronzesteinzeit 2700 - 2600 v. Chr., stammen die ersten kupfernen Gegenstände, die man in spätneolithischen Bodenschichten fand. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die Bewohner Kretas zu dieser Zeit schon mit den Metallen und ihrer Bearbeitung vertraut sind, den später aufgegeben Gebrauch von Stein aber noch eine Zeitlang beibehalten.
Die ersten beiden Jahrhunderte in der Vor-Palastzeit, 2600 - 2400 v. Chr., haben einen an der Keramik zu erkennenden Übergangcharakter. Die neolithischen Stile entwickeln sich weiter und es tauchen die Stile von Pyrghos, Ajios Onoufrios und Levina auf. Die Gefäße werden in geschlossenem Feuer gebrannt. Beispiele der damaligen Architektur sind nur vereinzelt erhalten; die neolithische Siedlungsweise mit gleichzeitiger Bewohnung von Höhlen und Hütten muss wohl beibehalten worden sein. Die Toten werden in Höhlen begraben und es erscheinen die ersten runden Kuppelgräber.
Der zweite Abschnitt der Vor-Palastzeit, 2400 - 2100 v. Chr., ist der für die kulturelle Entwicklung bedeutungsvollste. Die Siedlungen von Vassiliki und Myrto in der Gegend von Ierapetra geben und wertvollen Aufschluss über Veränderung in der Lebensweise und die Weiterentwicklung der Baukunst. Runde Kuppelgräber finden sich an den verschiedensten Stellen der Messara-Ebene, in begrenztem Umfang breiten sie sich auch im übrigen Kreta aus. Die Gräber sind überirdisch und geräumig, so dass mehrere Familien darin bestattet werden können. In Ostkreta werden die Toten in Tonfässern oder rechteckigen oder ovalen kleinen Tonsärgen in kleinen Einfriedungen mit zwei aneinanderangrenzenden Räumen bestattet.
In der Keramik taucht die Töpferscheibe auf. Der neue Stil von Vassilika entsteht in der gleichnamigen Gegend. Am bemerkenswertesten aber sind die bunten Steingefäße aus dieser Periode. Sie sind aus weichem oder hartem, farbigen Steinen hergestellt, deren Maserungen durch vielfältige Formen kunstvoll zur Geltung gebracht werden. Aus den Gräbern von Mochlos und Messara ist Goldschmuck in Filigran-, Granulier- und Schmiedetechnik erhalten. In der Miniaturkunst tauchen die kleinen Idole auf sowie Stempel aus Elfenbein und Speckstein in großem Formenreichtum.
In den letzten beiden Jahrhunderten, 2100 - 1900 v. Chr., entstehen viele neue Siedlungen und es kommt zu einer Umstrukturierung der Bevölkerung. Die Gräberarchitektur bleibt unverändert. In der Töpferkunst haben wir eine Weiterentwicklung und Differenzierung der Stile aus dem vorangehenden Zeitabschnitt. Die Steingefäße verlieren an Bedeutung. Bei der Herstellung von Stempeln nimmt der Reichtum der Formen und Motive noch zu, und am Ende dieser Periode erscheint auf den Stempeln eine Art von Schrift in Verbindung mit Tierabbildungen.
Die bedeutende Entwicklung, die durch die Einfuhr von Metallen in Gang gesetzt wurde, führt zu einer Ausweitung des Handels und der Beziehungen zu anderen Ländern und zur Veränderung des sozialen, politischen und religiösen Lebens. Es entstehen neue soziale Stände und Berufe, etwa die der Seeleute und der Händler. Die neue Ordnung der Dinge setzt aber eine Führung, einen dirigierenden Geist voraus; eine solche Rolle müssen die Oberhäupter der mächtigsten Sippen gespielt haben.