Übersicht 16.07.2019
Kreta Info Seite 1/2

Die Kretische Tracht
Die kretische Tracht der Männer und Frauen ist sehr malerisch und bildet ein wichtiges volkskundliches Element der Insel. Heute sieht man die Tracht nur noch selten, an großen Feiertagen oder bei wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen. Manchmal sieht man sie auch in Gegenden, wo ältere Menschen der traditionellen Kleidung treu geblieben sind. Die Tracht der Kreter, die mit kleinen Abwandlungen überall gleich ist, wurde früher in den Dörfern vom Vater auf den Sohn und von der Mutter auf die Tochter vererbt. Zur normalen Kleidung der Männer gehörten ein schwarzes Kopftuch mit Fransen und ein Umhang, der über den Schultern getragen wurde. Die Kapuze schützte vor Regen und Kälte. Darunter trug man eine Weste und ein weißes Hemd und unter dem Hemd eine weitere Weste mit kurzen schwarzen Ärmeln. Der Gürtel war manchmal bis zu zehn Meter lang und in ihm steckte das Messer. Die Kleidung wurde vervollständigt durch die traditionelle Puderhose und hohe, schwarze Lederstiefel.
Die Tracht der Frauen ist von Ort zu Ort verschieden. In den Gebirgsgegenden herrscht die Tracht von Anogia vor, in den niedriger gelegenen Gebieten trifft man verschiedene Variationen der Soforia Tracht (die Kleidung der Städte).
Zur städtischen Kleidung gehört ein langer, roter Rock, eine weiße Seidenbluse mit weißen Ärmeln, über der das "Meidani", eine Art Jacke, oder die "Saltamarka", eine Art Bolero, getragen wird.
Die Tracht von Anogia unterscheidet sich von der Kleidung der Städte dadurch, dass unter dem Rock eine lange Pluderhose in der gleichen Farbe getragen wird. Die Kreterin trägt eine Art Pantoffeln mit hohem Absatz oder weiße Stiefel. Als Kopfbedeckung dient ein dunkles oder weißes Seidentuch. Der Halsschmuck besteht aus einem goldenen Kreuz und Münzen oder anderen Kostbarkeiten.

Die Liebe zu den Waffen
Die Kreter lieben Waffen. Sie werden mit Sorgfalt behandelt und von Generation zu Generation weitergegeben, genau wie der Name oder die Aussteuer der heiratsfühigen Müdchen.
Heute findet man in vielen Haushalten mindestens ein gutes Gewähr, aber jeder Mann hat zumindest ein Messer. Das kretische Messer mit seinem Griff in Ziegenbeinform und der Klappklinge ist ein Teil der männlichen Tracht. Es wurde unter dem Gürtelband getragen, der Griff rechts, die Klinge nach links. Es galt als Zeichen der Jugend und der Männlichkeit und war darüber hinaus noch nützlich.
Seit ältester Zeit bis heute war das kretische Messer bei der Arbeit oder im Kampf um die Freiheit ein Teil des Soziallebens. Die Handwerker machen es, in dem sie den Schaft gravieren, zu einem Kunstwerk.
... Es gibt Menschen, die rufen Gott
durch Gebete und Tränen an, andere
mit Geduld und Resignation und wieder
andere indem sie ihm lästern.
Die Kreter sprechen zu ihm mit Gewehren ...

-Freiheit oder Tod von Nikos Kazantzakis-
Kafenio -Kneipe der Männer-
Das Kafenio, das traditionelle griechische Cafe, ist der Ort, wo sich die Männer treffen, lesen, reden und Karten oder Tavli spielen. Die Domäne des Mannes ist das Kafenio. Vor allem ältere Männer treffen sich hier und reden über Politik, oder das neueste aus dem Ort. Zudem spielt man Karten oder Lavli. Das wichtigste Getränk ist dabei der Griechische Kaffee, (ellinikos) den man ohne Zucker (sketo), leicht gezuckert (metlios), oder süß (glikos), bestellen kann.
Wem nicht nach Kaffee ist, der kann sich auch einen Ouzo oder Raki bestellen. Getränkezwang gibt es allerdings nicht und es wird auch niemand schief angesehen, wenn er stundenlang bei einem Kaffee oder der Zeitung sitzt oder ins Lavli-Spiel vertieft ist. Auch Geschäfte werden im Kafenio abgeschlossen. Noch heute tragen die Männer manchmal im Kafenio ihre Kretische Tracht:
Pluderhosen, hohe Stiefel und schwarzes Kopftuch. Man geht in das Lokal, dessen Wirt die gleiche politische Einstellung hat. Das Kafenio ist nächtern und einfach ausgestattet.
Im Kafenio zeigt sich der kretische Patriarchismus besonders deutlich. Der Besuch ist Frauen nicht verboten, aber für sie sind andere Treffpunkte vorgesehen.