Übersicht 20.10.2019
Nachpalastzeit Seite 1/3

Kreta in der Nach-Palastzeit, 1400 - 1100.
Nach der Zerstörung von Knossos beginnt das minoische Kreta zu verfallen, es verliert seine Kolonien und wird eine - allerdings wichtige - Provinz des mykenischen Griechentums. Vielfach wird die Kultur dieses Zeitabschnitts wegen der Oberherrschaft der Festlandsgriechen als mykenisch bezeichnet. Es ist jedoch gesichert, dass damals Kreta seine kulturelle Tradition bewahren konnte und die örtliche Kultur ungebrochen weiterlebt.
Wichtigen Aufschluss über diese Periode geben uns die homerischen Epen. In der Odyssee heißt es, dass Kreta hundert Städte hatte und die Bevölkerung aus sechs Stämmen bestand: Den Minoern, den Achäern, den Kydoniern, den Pelasgern, den Eteokriten und den Doriern.
Das Verlassen der meisten Küstenstädte und -Siedlungen führte zur Gründung neuer Siedlungen, und zwar bis nach Westkreta hin, wo vier solcher Siedlungszentren erforscht sind; in Kydhonia, in Stolos / Apokoron, in Armeni / Rethymnon und in Apodhoulos / Amari.
Die Architektur dieser Zeit bleibt an Glanz hinter der vorangegangenen Periode zurück. Nur vereinzelt entstehen mykenische Megara ohne Schmuck und Wandmalereien. An den Palästen werden, sicher von Privatleuten, Umbauten vorgenommen, durch die Wohn- und Vorratsräume sowie Werkstätten geschaffen werden. In der Gräberarchitektur haben wir weiterhin Gräber aus behauenen Steinen und mykenische Kammergräber.
In der Töpferkunst entsteht weiterhin Keramik mit Formen und Motiven der Jüngeren Palastzeit, in den letzten beiden Jahrhunderten dann haben wir eine Hinwendung zum Stil des mykenischen Griechenlands. Die Kleinplastik weist eine entsprechende Entwicklung auf: Von naturalistischen hin zu stilisierten Formen. Die Metallurgie gelangt mit der Herstellung neuer Schwert- und Dolcharten nach mykenischem Vorbild zu einer gewissen Blüte. Die Stempel werden im Laufe der Zeit immer mehr aus dem leicht zu bearbeitenden Pechstein hergestellt; die nun schlichteren Motive sind nachlässig eingekerbt.
Im Bereich der Religion lebt die minoische Tradition ungebrochen fort. Um 1200 v. Chr. muss Kreta eine mächtige Flotte unterhalten haben und sich an kriegerischen und seeräuberischen Unternehmungen beteiligt haben, wie dies etwa an der Teilnahme des kretischen Königs Idomeneas, am Trojanischen Krieg zu erkennen ist. Berichte der gleichen Zeit aus ägyptischen Quellen sprechen von den Einfällen der sogenannten <>, die das östliche Mittelmeer in Unruhe versetzten. Eines dieser Völker, das zusammen mit anderen Ägypten angefallen hat, sind die Bewohner von Kaphtor, eine Bezeichnung, die der Insel Kreta zugeschrieben wird.