Übersicht 16.07.2019
Nachpalastzeit Seite 2/3

Subminoische und frühgeometrische Periode, 1100 - 900 v. Chr.
Im helladischen Raum ereignen sich in diesem Zeitabschnitt wichtige Dinge, so der stufenweise Verfall der mykenischen Kultur und die Einwanderung der Dorier, eines griechischen Stammes, der aus Makedonien und Isprios ins eigentliche Griechenland vordringt. Die Dorier, welche die Eisenverarbeitung kannten, wanderten zusammen mit anderen griechischen Stämmen und den Achäern unter der Führung von Tektamos, Sohn des Doros, in Kreta ein. Diese Periode heißt subminoisch und sie bedeutet das endgültige Ende der glänzendsten prähistorischen Kultur, der minoischen.
Kreta war im Verfall begriffen, und die Bevölkerung war durch die kriegerischen Unternehmungen erheblich reduziert, trotzdem leistet sie aber vollen Widerstand. Viele der Bewohner, die sich nicht unterwerfen wollte suchten in den Bergen von Zentral- und Ostkreta Zuflucht und gründeten dort neue Siedlungen, wo sie die minoische Kultur bewahrten. Solche Siedlungen hat man in Karphi / Lassithi, in Kavoussi und in Vrokasto / Mirambella gefunden, sowie in der Gegend von Prässos.
Im Kunsthandwerk leben viele minoische Elemente fort und vermischen sich mit dem Neuen, das die Eroberer ins Land bringen. Der Gebrauch des Eisens und die Sitte der Feuerbestattung breiten sich allgemein aus. In der Religion wird weiterhin die Grosse Göttin verehrt, im Laufe der Zeit werden aber viele ihrer Attribute den verschiedenen weiblichen Gottheiten des griechischen Pantheons zugeordnet.

Geometrische, orientalische und archaische Periode, 900 - 500 v. Chr.
Dieser Zeitabschnitt kann als glänzende Epoche der kretischen Kultur bezeichnet werden. Die Bevölkerung wächst, es kommt zu neuen Städtegründungen wie Dhritos, Lato i Etära, Rizinia, Axos und anderen, die alten, namhaften Städte bestehen dabei weiter.

Nach der Abschaffung des Königtums orientiert sich die staatliche Organisation am Vorbild des griechischen Festlandes und es entstehen Stadtstaaten wie etwa das antike Sparta. Die dorischen Eroberer teilen das Volk in drei Klassen: Die Periöken, die in der Umgebung der Stadt wohnten und dabei keinerlei politische Rechte hatten, die Minoiten, die keinen Grundbesitz hatten und als Arbeiter an öffentlichen Bauten und Anlagen benutzt wurden und schließlich die Klarioten, eine Art von privaten Sklaven.
Das Kunsthandwerk in der geometrischen Periode wird von Strenge und Schlichtheit, von Form und Dekoration bestimmt. Gegen Ende dieses Zeitabschnittes entsteht aber im 7. vorchristlichen Jahrhundert unter starkem östlichem Einfluss und dem Rückgriff auf die alte örtliche Kultur die dädalische oder früharchaische Kunst.
Reiche Keramikfunde stammen aus den Gräbern von Knossos und Arkadhes. Östliche Einflüsse herrschen in der Metallurgie und Kleinplastik; letztere bringt bedeutende Beispiele der Bronzeplastik hervor, wie man sie in der Idäischen Höhle und im Heiligtum von Symi Viannos entdeckt hat. Gold- und Silberschmuck ist aus den Gräbern von Knossos und Rizinia (Prinia) erhalten. Skarabäi und Idole in Fayence-Technik lassen die engen Beziehungen zu Ägypten erkennen. Vom Ende des 7. Jahrhunderts haben wir glänzende Beispiele der Tempel-Architektur, so in Prinia, in Lato, in Dhriros und in Ghortyna. Zur gleichen Zeit tauchen die ersten Statuen der griechischen Kunst auf.
Es ist wohl nicht übertrieben, das Kunsthandwerk dieser Periode als ein letztes Aufleuchten autonomer kretischer Kunst zu bezeichnen, deren Niedergang uns dann das 6. Jahrhundert bringt. Die Hauptgründe für diesen Verfall liegen im Vorherrschen des dorischen militärischen Geistes, im Verblühen des Handels, in den Kriegen zwischen den einzelnen kretischen Städten, im Aufblühen der inonischen Städte in Kleinasien und nicht zuletzt darin, dass viele kretische Künstler vor der despotischen Ordnung die Flucht ergriffen und ihr Werk fern der Insel fortsetzten.