Übersicht 20.10.2019
Venizianische Herrschaft

Periode der venezianischen Herrschaft, 1204 - 1669.
Nachdem Konstantinopel im Jahre 1204 von den Kreuzfahrern erobert worden war, fiel Kreta an Bonifatius von Monferrat, der seinerseits die Insel an die Venezianer weiterverkaufte. Für kurze Zeit gelang es dem Widersacher Venedigs, Genua, unter E. Pescatore einen Teil Kretas einzunehmen und an beherrschenden Stellen 14 Festungen zu erbauen. Nach den langandauernden Kämpfen konnten die Venezianer 1212 schließlich ihre eigene Herrschaft über die Insel Kreta antreten und für Kreta beginnt damit eine lange Zeit der Unterwerfung, die bis zum Jahre 1669 andauert. Um seine Herrschaft zu sichern, siedelte Venedig 10.000 Menschen aus der Mutterstadt auf Kreta an, darunter viele Adelsfamilien. Die höchste politische Gewalt hatte ein Herzog mit zwei Beratern inne, die Obergewalt über das Heer dagegen der Militärverwalter von Chandhax. Die Venezianer führten ein reines Feudalsystem nach westlichem Vorbild ein, wodurch sich die kretische Gesellschaft radikal veränderte. Die Bevölkerung wurde in vier Klassen eingeteilt: An der Spitze standen die venezianischen Adligen und ihre Nachkommen, es folgten die kretischen Adligen, dann kamen die Bürger und schließlich die Landbewohner.
Die große Unterdrückung, die Steuern, die Willkür, Frondienste und nicht zuletzt das Vorbehalten der religiösen und politischen Freiheit führte zu fortwährenden Erhebungen sozialen oder nationalen Charakters. 27 größere oder kleinere Aufstände werden erwähnt, alles lokal begrenzte Bewegungen, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten erstrecken. Nach 1500 beginnt das Feudalsystem zu verfallen und die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen verändern sich. Die orthodoxe Kirche erlangt einen Teil ihrer Macht zurück, sie baut Kirchen und Klöster, die Stätten geistiger Erneuerung werden. Das Griechische wird die offizielle Sprache; die Venezianer werden durch ständige Vermischungen hellenisiert und so entsteht eine neue venezianisch-kretische Gesellschaft mit einer ausgeprägten bürgerlichen Klasse, die sich auf dem Fundament der byzantinischen Tradition, den Einflüssen der europäischen Renaissance öffnet. Unzählige Kreter studieren an europäischen Universitäten und glänzen dort. Auf der Insel entsteht eine bemerkenswerte geistige und künstlerische Bewegung. In den letzten Jahren der venezianischen Herrschaft gerät Kreta ins Visier der türkischen Expansionsbestrebungen. 1645 landet Yussuf Passas mit großen Verbänden westlich von Chania. Nach zweimonatiger Belagerung erobert er die Stadt, 1646 dann Rethymnon und die meisten Burgen der Insel um im Mai 1648 gelangt er schließlich nach Chandhax, das er nach achtzehn Jahren währender Belagerung im Jahre 1669 einnimmt.